Hier wird umgebaut

Vorbei die Zeit des Erstaunens über neue Erscheinungsformen politischer Parteibildung in der Bundesrepublik. Alter Essig in neuen Schläuchen wird künftig nicht mehr Gegenstand eingehender Betrachtungen dieses Blogs sein. Künftig wird der Blick weg von den Nebenschauplätzen hin zum Zentrum gesellschaftlicher Konflikte und politischer Regression wandern.

Binnen weniger Jahre veränderte sich das Gesicht Europas radikal. Die Vision der in Solidarität friedlich vereinigten Nationen gleicher Bürgerinnen und Bürger wurde zur Phrase. Alte Kategorien von Gut und Böse durften unter dem Beifall der Medien Auferstehung feiern. Unter dem Eindruck und der Einsicht des Kriegstraumas beschnittene Macht bricht sich erneut Bahn. Die Kräfte des Friedens, des Respekts, der Würde und der Gleichheit aller Menschen gerieten in die Defensive, wurden Postulat statt Handlungsanleitung.

Die Moral der Menschlichkeit gerät unter die Räder. Abstiegsängste befeuern eine rohe Bürgerlichkeit fern schon der christlichen Nächstenliebe. Das Privileg steht nur noch dann in der Kritik, wenn es keinen Vorteil für den eigenen Bedarf mehr verspricht und der eigene Zutritt zur geschlossenen Gesellschaft verwehrt bleibt.

So schnell sich die Jubiläen der großen Kriege des 20. Jahrhunderts aneinanderreihen, so schnell verblassen ihre Erfahrungen und Lehren. Oft äußerten Politikerinnen und Politiker in den letzten Monaten, dieses oder jenes befinde sich auf “einem guten Weg”. Doch kaum einer der Wege führt zu seinem verkündeten Ziel. Umkehr und Wandel werden wir nicht erleben, solange wir das Handeln an jene delegieren, denen politischer Interessenausgleich ein Geschäft ist.

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CSD Parade in Augsburg

Presseinformation zur CSD-Demonstration „Gleiche Rechte für alle sexuellen Identitäten!“ Rathausplatz Augsburg, am 14.8.2010, um 11 Uhr

Augsburg braucht eine politische Demonstration zur Erinnerung an den Stonewall-Aufstand von Transsexuellen, Schwulen und Lesben am 28. Juni 1969. Zur Anmeldung der Demonstration „Gleiche Rechte für alle sexuellen Identitäten“ unmittelbar vor dem Augsburger CSD-Straßenfest erklärt für die Landesarbeitsgemeinschaft Queer, das Mitglied des bayerischen Landesvorstands von DIE LINKE. Bayern, Mario Simeunovic:

„Die bayerische CSD Saison nähert sich ihrem Ende und wir mussten erleben, dass der gesellschaftliche Situation queerer Menschen nur unzureichend Beachtung geschenkt wird. Ob in Regensburg, München, Würzburg oder Nürnberg, die Frage der rechtlichen Gleichstellung wurde auf den Veranstaltungen vornehmlich von Vertreter_innen der politischen Parteien beantwortet. Abhängig von politischem Hintergrund und Verankerung in der queeren Szene, geschah dies mehr oder weniger überzeugend.

Aber wo blieben die Wortmeldungen und Berichte der Vertreter_innen aus der queeren Szene? Welche alleinerziehende lesbische Mutter durfte darüber berichtet, unter welchen Zwängen und materiellen Nöten sie leben muss? Wer hat erklärt, warum an Aids-Erkrankte Hartz IV Bezieher eine Zulage für kostenaufwändige Ernährung nur noch dann erhalten, wenn sie gemäß Definition der Weltgesundheitsorganisation unterernährt sind? Wie Menschen ihre gleichgeschlechtliche Lebensweise auch am Arbeitsplatz offen leben sollen, die in prekärer Beschäftigung stecken und sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln? Warum die übergroße Anzahl von Transsexuellen im Hartz IV-Bezug landet? Warum homophobe Vorurteile und Gewalt wieder auf dem Vormarsch sind? Oder wie versucht wird, Sympathien für Kriegseinsätze – wie gegen den Iran – auch dadurch zu wecken, dass uns deren homophobe Gesetzgebung und Repression als mögliche Rechtfertigung angeboten wird?

Für DIE LINKE sind die sich vertiefende soziale Spaltung, die Entsolidarisierung sowie die Abkopplung großer Teile der Bevölkerung vom Recht auf Bildung, auf existenzsichernde Löhne sowie sichere und humane Arbeits- und Lebensverhältnisse eine reale Bedrohung für alle Minderheiten. Diese Politik bereitet den Boden für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in einem Ausmaß, das durch kein Prämienprogramm für homofreundliche Unternehmen oder das Ehegattensplitting für Lebenspartner_innen korrigieren werden kann. Es betrifft Migrant_innen und Langzeitarbeitslose ebenso wie Rentner_innen, Kinder und Jugendliche und Queers.

Wenn Parteien wie die FDP oder CDU/CSU die Kosten der Bankenrettung mit Einsparungen in Höhe von 31 Mrd. Euro aus dem Geltungsbereich der Sozialgesetzbücher kofinanzieren, dagegen aber große Vermögen und Erbschaften keinen Cent zur Sicherung ihrer Finanzanlagen mit Steuergeldern beitragen müssen, dann sind davon auch lesbische Alleinerziehende sowie Transsexuelle im Hartz IV Bezug betroffen. Wenn weiterhin ein Mindestlohn abgelehnt und stattdessen die letzten Fragmente des Arbeits- und Kündigungsschutzes beseitigt werden sollen, dann trifft dies prekär beschäftigte Frauen im Einzelhandel darunter viele Lesben hart. Wenn ein FDP-Gesundheitsminister das unter der großen Koalition begonnen Werk, des Umbaus der solidarischen Gesundheitssystems zu einem Kopfpauschalen-System fortsetzt, dann sind auch wir Queers davon betroffen.

Warum wird Vertretern dieser Parteien eine Plattform auf dem Gedenktag des queeren Aufstands gegen polizeiliche Repression und gesellschaftliche Unterdrückung geboten? Unter den Gästen des Stonewall Inn im New York der 1969er Jahre, waren viele wohnungslose schwule Latinos, unterprivilegierte Tunten und Transen sowie minderjährige Jugendliche, die nur in einer der wenigen runtergekommenen Halbwelt-Bars geduldet wurden. In ihrem Andenken wollen wir die Jahresfeier der Aufstände in der Christopher-Street begehen und laden dazu alle Gleichgesinnten ein.

Unsere Demonstration ist ausdrücklich keine Konkurrenz zum Augsburger CSD-Straßenfest sondern eine Ergänzung. Wir haben dessen Veranstalter zu einem Grußwort eingeladen. Der Demonstrationszug beginnt und endet auf den Rathausplatz, so dass unsere Teilnehmer_innen Gelegenheit haben, auf dem Straßenfest mitzufeiern.“

Mario Simeunovic
DIE LINKE. Landesverband Bayern
Landesarbeitsgemeinschaft queer

Informationen auf:

missetaeter.info

Die Augsburger Zeitung

SDAJ München

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Fokus Dokumentarfilm

Im Januar 2009 verstarb mit Karl Gass eine der prägenden Persönlichkeiten des DEFA Dokumentarfilms. Gass wechselte 1951 vom Nordwestdeutschen Rundfunk zur Deutschen Film AG (DEFA). Zur gleichen Zeit drehte dort der ebenfalls an einer kritischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus interessierte Wolfgang Staudte seinen beißenden “Untertan” nach dem Roman von Heinrich Mann. Dieser geniale Film über Doppelmoral und Obrigkeitshörigkeit des preußischen Junkerntums sollte im Westen Deutschland fünf Jahre verboten bleiben.

Doch während Staudte 1955 nach einem Zerwürfnis mit Brecht und Weigel die DEFA verließ, blieb Gass und wurde bei der DEFA zu einem einflussreichen Regisseur und Hochschullehrer. Zu seinen Schülern zählen Volker Koepp sowie Winfried & Barbara Junge. Letzteren schlug Gass 1961 vor, den Tag der Einschulung einer Schulklasse zu dokumentieren. Ursprünglich “Jochens erster Schultag” betitelt sollte sich “Wenn ich erst zur Schule geh’…” zur längsten Dokumentation der Filmgeschichte entwickeln. Bis 2007 kehrten Barbara und Winfried Junge immer wieder zu ihrer Gruppe von Schulanfängern zurück, um ihr Heranwachsen und Schicksal festzuhalten. Daraus entwickelten sich ebenso anrührende wie spannende Porträts, die den Bogen von Beginn und Aufbruch in einer rückständigen Region, dem Oderbruch, im Nachkriegsdeutschland, über die Höhen und Tiefen der DDR-Geschichte bis hin zu Vereinigung und den Unsicherheiten im real existierenden Kapitalismus, zeichneten.

Dr. Gregor Gysi moderiert das Gespräch.

Zu sehen ist weiterhin “Nationalität: Deutsch” aus dem Jahr 1990. Am Beispiel des Dorfschullehrers und Kantors Albert Linnecke (1898-1954) wird gezeigt, wie Kindern immer wieder neue Weltbilder und politische System vermittelt werden müssen, zwischen Aufklärung, Anpassung und Verdrängung. In seiner eigenen Rolle als Hochschullehrer hat sich Gass immer wieder vor seine Studenten gestellt, versucht ihren Entwicklungsspielräume zu schaffen und vor dem Zugriff der Zensur zu bewahren. So ist aus “Wenn ich erst zur Schule geh’…” kein Propagandafilm geworden, sondern eine einfühlsame, genau beobachtete Arbeit, bei der zum Teil mit versteckter Kamera gedreht wurde.

Ein weiterer großer Schüler von Gass, Volker Koepp, wird mit fünf Dokumentarfilmen Anfang Mai mit einer Retrospektive vom DOK.fest München geehrt. Hier möchte ich mit “Leben in Wittstock” ebenfalls eine Langzeitdokumentation empfehlen, in der Koepp das Material von mehreren Filmen zusammenfasst: “Mädchen in Wittstock” (1975), “Wieder in Wittstock” (1976), Wittstock III (1977), “Leben und Weben” (1981) wurden in 1984 im Film “Leben in Wittstock” gebündelt. Koepp geht dabei jedoch lockerer zu Werk als das Ehepaar Junge, es ist eher ein freundschaftliches Verhältnis, welches ihn immer wieder zu den Frauen des ehemaligen Trikotagewerks Wittstock führt, das ist im Film zu spüren.

Gass war einem Realismus verpflichtet, der beim DDR-Fernsehen auf wenig Zustimmung stieß. “Manche Leute hatten Angst, sich zu äußern, manche hatten keine Lust mehr. Eine solche Art von mitmachender, aufbauender, kritischer Aktivität wie die Brigade Habener (“Asse”) hätte ich nicht mehr gefunden”, begründete er seine Hinwendung zum historischen Kinofilm in den 80er Jahren der DDR.

Im Anschluss an die Vorführung von “Wenn ich erst zur Schule geh’…” und “Nationalität: Deutsch” moderiert Dr. Gregor Gysi ein Gespräch zwischen Christel Gass und Winfried und Barbara Junge.

In memoriam Karl Gass (1917-2009)
Film und Gespräch am Donnerstag, den 29. April 2010, 19.00 Uhr
Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München
Kartenreservierung: Tel. 089 233-96450
Eintritt 4,- Euro

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25. Dokumentarfilmfest München

[Quelle: www.dokfest-muenchen.de] Die Programmauswahl 2010 trafen Dunja Bialas (UNDERDOX), Tamara Danicic und Knut Karger (nonfiktionale), Tina Janker und Jan Sebening (Hochschule für Film und Fernsehen München), Anja Klauck (KASSELER DOKFEST), Marcus Morlinghaus (Monopol News), Ulla Wessler (Filmstadt München e.V.), Alexandra Hog, Caroline Piotrowski, Christian Pfeil und Daniel Sponsel (DOK.fest).

Das komplette Programm ist ab Mitte April auf der Website des Festivals zu finden.

Ich berichte zu einem späteren Zeitpunkt über das aktuelle Programmangebot und werde ggf. Programmtipps geben.

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VERZAUBERT – Queer Film Weekend

Das VERZAUBERT – Queer Film Weekend bietet einen Einblick in das Filmschaffen der internationalen Gemeinde von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender. Dass es derzeit nicht einfach ist, Sponsoren für Kulturevents zu werben, merkt auch der Veranstalter von VERZAUBERT, Rosebud Entertainment. Das lange Kinowochenende musste aus Kostengründen auf Samstag/Sonntag verkürzt werden.

Dazu der Programmdirektor Rudi Fürstberger: Verzaubert findet an 2 und nicht über 3 Tage hinweg statt, da wir einfach noch mehr sparen mussten. Das Konzept Verzaubert Weekend wird sich vermutlich noch ein paar mal ändern – es ist durchaus möglich, dass wir schon im Herbst von Donnerstag bis Sonntag spielen. Kommt immer auf die Sponsoren und das Film Angebot an.

Kurzfilm - Twoyoungmen

Dafür wird es aber voraussichtlich im November ein weiteres Wochenende in den vier Veranstaltungsstädten München, Frankfurt und Köln geben. Besonders empfehlen möchte ich die beiden Kurzfilmvorstellungen Gay Propaganda Night und Matinee – The Elle World.  Erfahrungsgemäß gibt es hier immer einen abwechslungsreichen Strauß an guten Filmideen zu sehen, ohne dass die Geduld des Zuschauers mit Füllmaterial strapaziert wird, weil unbedingt Spielfilmlänge erreicht werden musste.

Auch im Spielfilmprogramm warten interessante Produktionen. “Le Fil” handelt von einer schwulen Liebesgeschichte in Tunesien. Bisweilen braucht es tatsächlich die katholische Kriche, um auf den rechten Pfad zu gelangen. So landet die singende Nonne aus “Sister Smile” am Ende doch in den Armen ihrer besten Freundin. Zuvor stürmt sie mit “Dominique -nique -nique” die Hitparaden, stürzt die Beatles von Platz eins. Um zu ihrer Liebe zu finden, muss sie jedoch den Orden verlassen. Ein bewegendes Biopic, einer bemerkenswerten Frau, bei dem keinesfalls die Taschentücher vergessen werden sollten.

Auf den Internetseiten gibt es Informationen über das Angebot an Filmen, sowie die Vorführung.

Karten im Münchner Vorverkauf sind ab Samstag, den 10 April, an folgenden Stellen zu erhalten:

CITY KINOS – Sonnenstraße 12
Buchhandlung MAX & MILIAN – Ickstattstraße 2
Buchhandlung LILLEMORS – Barerstraße 70

Einzelticket:  8 Euro
Gay Propaganda Night: 10 Euro
Matinee – The Elle World: 10 Euro

Münchner Programm im CITY KINO, Sonnenstraße 12

Samstag 17. April 2010
14.00 UHR RELEASE
16.00 UHR AMPHETAMINE
18.00 UHR OUT OF THE BLUE
20.00 UHR PLAN B
22.00 UHR GAY PROPAGANDA NIGHT

Sonntag 18. April 2010
11.00 UHR MATINEE – THE ELLE WORLD*
14.30 UHR MISS KICKI
16.30 UHR SISTER SMILE
18.45 UHR FROM BEGINNING TO END
20.45 UHR LE FIL

alle Angaben ohne Gewähr

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Berlinale Nachtrag

Die allgemeine Erschöpfung nach zehn Tagen Festival mit über 30 Filmen war dann doch so groß, dass die Besprechung der letzten Filme bis heute warten musste. Womit nichts über deren Qualität gesagt sein soll.  Das Bild ist denn auch sehr uneinheitlich.

Kasaba | © www.berlinale.de

Kasaba | © www.berlinale.de

In der ausgezeichneten Reihe “4 Jahrzehnte Forum” konnte ich mir Nuri Bilge Ceylans Spielfilmdebut Kasaba (Die Stadt) aus dem Jahr 1997 ansehen. Es ist ein dichtes autobiografisch geprägtes Porträt einer Familie in einer türkischen Kleinstadt. Die Kamera folgt den Kindern durch die Jahreszeiten und in einer Familienrunde am Lagerfeuer drehen sich die Gespräche um die Enge und Zwänge von Familie und Kleinstadt. Cousin Saffet ist unzufrieden mit diesem Leben, lässt sich aber treiben, statt zu handeln.  Lediglich von einem Freund technisch unterstützt drehte Ceylan vor Ort mit Laiendarstellern einen eindringlichen Film in ruhigen Bildern und anmutiger Fotografie. Vorgeschlagen wurde Kasaba von Regisseur Jia Zhangke, der darin viele Parallelen zum Leben in der chinesischen Provinz entdeckte.

Word is Out: Stories of Some of Our Lives | © www.berlinale.de

Word is Out: Stories of Some of Our Lives | © www.berlinale.de

Als Sondervorführung außerhalb des regulären Programm zeigte das Forum “Word is Out: Stories of Some of Our Lives” aus dem Jahr 1977.  Ein Kollektiv aus Regisseurinnen und Regisseuren gewährt Einblick in das Leben von 26 Lesben und Schwulen. Selbstbewußt wird der allgegenwärtigen Diskriminierung das Selbstbild entgegengestellt. Die Offenheit in der über das eigene Leben erzählt wird, hat das US-amerikanische Publikum zutiefst verstört und wurde zu einem Meilenstein der jungen Gay Rights Movement. Unter den Regissieuren, die sich der anstrengenden Kollektivarbeit unterwarfen, befand sich auch der damals 27jährige Rob Epstein. Von den bewegenden Porträts wäre jedes einzelne einen biographischen Film wert gewesen. Epstein wurde später bekannt durch seinen Dokumentarfilm “The Times of Harvey Milk” (1984) und den Berlinale Wettbewerbsbeitrag 2010 “Howl”.

Covered Covered | © www.berlinale.de

Covered Covered | © www.berlinale.de

Erwähnen möchte ich auch noch einen Kurzfilm vom Kanadier John Greyson, der sich einmal mehr als experimenteller Dokumentarfilmer bewährt hat. Die Geschichte der gewalttätigen Angriffe auf das erste Queere Festival in Sarajevo 2008 bildet hier den Hintergrund. In 14 Minuten wird eine komplexe Melange aus Festiaval Aufnahmen sowie Bildern von Vögeln gezeigt, zu denen ein fiktiver Essay von Susan Sonntag eingesprochen wird. John Greyson zeigt sich einmal mehr als Filmemacher von herausragender künstlerischer Qualität. Darüber hinaus bin ich auch aus politischen Gründen sehr dankbar für diesen Film, der für Solidarität und Unterstützung mit der queeren Bürgerrechtsbewegung auf dem Balkan wirbt.

Die Regisseurin Renate Costa mit ihrem Vater

Im Dokumentarfilm “Cuchillo de palo” erfahren wir von der Unterdrückung von homo- und transsexuellen Menschen in Paraguay in der Zeit der Stroessner Diktatur. Stroessner, zu dem die bayerische CSU und deren Stiftung besondere Beziehungen unterhielten, hatte einen schwulen Sohn, Gustavo. Dieser war mutmaßlich in die Ermordung eines Jungen verwickelt, die einen öffentlichen Skandal auslöste. Die Polizeikräfte nahmen diesen Skandal zum Anlass, die berüchtigte 108er Liste von bekannten Homosexuellen zu erstellen, die anschließend inhaftiert und misshandelt wurden. Der Onkel der Regisseurin gehörte zu diesen Opfern. In Gesprächen mit ihrem Vater und Freunden des Onkels, versucht sie herauszufinden, welches Leben ihr Onkel geführt hat. Der Vater gibt den Freunden des Bruders die Schuld am “Unglück” seines Bruders und versuchte ihn Zeit seines Lebens vom schwulen Umgang fern zu halten. Zuletzt lebte der Onkel einsam in seinem Eckhaus, bevor er eines Morgens erschlagen vor der Tür aufgefunden wurde. Während der Vater sich im Film vom Leben seines Bruders distanziert und sich dabei hartnäckig auf die Kirche beruft, scheinen sich Vater und Tochter auf der Berlinale nähergekommen zu sein. Bei den anschließenden Zuschauerfragen räumt der Vater ein, Fehler gemacht, seinen Bruder nicht akzeptiert und nicht genügend unterstützt zu haben. Heute würde er nicht mehr so handeln.

Regisseur Goshs modische Konzession an den Berliner Winter

Um Schauspiel und sexuelle Identität geht es im indischen Spielfilm “Aarekti Premer Golpo” (Just Another Love Story) von Kaushik Ganguly und Rituparno Ghosh. Ghosh, der auch die Hauptrolle im Film spielt, ist ein selbstbewußter Vertreter des dritten Geschlechts. Er spielt einen Regissieur, der einen Film über den mittlerweile greisen Star des bengalischen Theaters Chapal Bhaduri machen möchte. Im traditionellen bengalischen Theater war es üblich, dass Männer Frauenrollen spielten. Im Laufe des Films werden Parallelen im Leben des Regisseurs mit dem Bhaduris deutlich. Beide müssen sich mit der Rolle einer versteckten Nebenfrau in der homophoben Gesellschaft begnügen, bis ihre Beziehungen an den äußeren Umständen, an Feigheit und Bequemlichkeit der Partner zerbrechen. Der Film hat ebenso heitere wie traurige Momente. Einziger Kritikpunkt aus europäischer Sehgewohnheit: 128 Minuten sind mir für ein Melodram einfach zu lang.

Geradezu bizarr war der österreichische Beitrag von Peter Kern “Blutsfreundschaft”. Immerhin gebührt dem Werk die Begründung eines neuen Genres: Antifa-Kitsch. Ein junger Bursche gerät unter den Einfluss einer Neonazi Bande, wird zu einen Mord an einem Sozialarbeiter angestiftet und von einem alternden Wäschereibesitzer vor der Polizei gerettet. Der stadtbekannte Schwule Gustav Tritzinsky hat nicht nur eine Wäscherei sondern wurde seinerzeit von den Nazis wegen einer schwulen Liebesaffäre in der Hitlerjugend verfolgt.

Wie weit neben der Wirklichkeit die Geschichte liegt, wird deutlich, wenn ein junger Mithäftling im Gestapo-Gefängnis zum Liebhaber und Verführer von Tritzinsky den denkwürdigen Satz sagt: “Die Nazis jagen Euch Homosexuelle genauso wie uns Juden.” Unsicher bewegt sich der Film zwischen Fetisch, Trash und Sozialdrama, orientierungslos und klischeebehaftet. Eigentlich ein unmögliches Werk, wenn mich und meinen unbekannten Kinonachbarn nicht immer wieder fassungslose Heiterkeit überkommen hätte. Der zentrale “Mord” ist eher ein ungeschickter Unfall, der gleichfalls so ungeschickt inszeniert ist, dass es einen vor Lachen aus dem Sessel haut. Auch der bisweilen schwer betrunken wirkende oder sogar laut Drehbuch seiende Helmut Berger sorgt für Stimmung und hat einen Abgang, der einer großen Dramakönigin würdig ist. Ob dieser Film allerdings tatsächlich dazu taugt, Abscheu gegenüber Neonazis zu wecken oder für Solidarität mit Queers und Migranten empfänglich zu machen?

"Postcard to Daddy" | © www.berlinale.de

Sehr bedrückend war die autobiographische Dokumentation “Postcard to Daddy” von Michael Stock. Stock, der 1993 mit dem schwulen Underground Drama “Prinz in Hölleland” einen vielbeachteten Erfolg hatte, versucht darin die Geschichte seines Missbrauchs durch den Vater aufzuarbeiten. Doch der Vater entzieht sich weitgehend den Versuchen des Sohnes, ihn zu einer Erklärung zu bringen. Mutter und Schwester stehen Stock solidarisch bei Versuch der Bewältigung beiseite, beide haben aber mit dem Vater abgeschlossen, erwarten nichts mehr von ihm und stehen bisweilen etwas ratlos neben den hartnäckigen Versuchen von Stock, Kontakt aufzunehmen und ins Gespräch zu kommen.

Über die Jahre der Dreharbeiten springen finanzierende TV-Sender vom Projekt ab und ein Liebhaber von Stock mit ähnlicher Missbrauchserfahrung nimmt sich das Leben. Am traurigsten stimmt an diesem Film, dass es Lebenserfahrungen gibt, die sich einer Bewältigung oder wenigstens angemessenen Verarbeitung weitgehend entziehen.

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Kongress des freien Handwerks

Gerade noch verhindert: der Sprung eines Gesellen in den Fischbrunnen.

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Der vom Berufsverband der unabhängigen Handwerkerinnen und Handwerker (BUH e.V.) geplante Gesellensprung zum Auftakt des zweitägigen Kongresses im Münchner EineWeltHaus fiel ins Wasser. Dabei hätte eine Taufe im Fischbrunnen durchaus auf dem Programm gestanden. BUH-Vorstand Jonas Kuckuk erklärt dazu: „Die vorgesehene Taufe von Gesellen, die sich um das unabhängige Handwerk verdient gemacht haben, wurde uns leider vom Kreisverwaltungsreferat untersagt.“ Allerdings so kurzfristig, dass man am Fischbrunnen habe Ordnungskräfte abstellen müssen, um anreisende Gesellen vom Bad abzuhalten, die diese Nachricht nicht mehr erreicht hatte.

„Wir lassen uns davon aber nicht beirren und werden unseren Kongress fortsetzen.“ Zum Abschluss des Kongress mit Workshops, Vorträgen und Diskussionen gibt es im EineWeltHaus in der Schwanthalerstr. 80 eine zweiteilige Diskussionsrunde. Um 17.30 beginnt Dr. Thomas Gambke, MdB und dort im Finanzausschuss für das Bündnis 90/Die Grünen. Ihm folgt um 19 Uhr der Unternehmensanalyst und MdB Klaus Breil (FDP). DIE LINKE wird vom Mitarbeiter der Linksfraktion, Uwe Hiksch, vertreten. Thema: „Chancen künftiger Berufsfreiheit im deutschen Handwerk“.

Der BUH e.V. setzt sich für Gewerbefreiheit im Handwerk ein und möchte für einheimische Handwerker die gleichen Möglichkeiten zur Existenzgründung schaffen, wie für die Kollegen aus anderen EU-Mitgliedsstaaten.

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Winter’s Bone

Regisseurin Debra Granik

Verpasst habe ich leider den Preisträger des Goldenen Bären, den türkischen Film Bal. Aber es ist schlicht unmöglich, alle Filme zu sehen. Sehr beeindruckend fand ich den Spielfilm “Winter’s Bone” von Debra Granik. Erzählt wird darin eine Gangstergeschichte. Die siebzehnjährige Ree (kümmert sich allein um ihre beiden jüngeren Geschwister und die psychisch kranke Mutter. Letztere ist nicht mehr fähig Entscheidungen für die Familie zu treffen oder ihre älteste Tochter zu unterstützen.

Ungewöhlich ist für dieses Genre das Millieu. Im US Staat Missouri spielt die Geschichte. Inmitten von kleinen Farmen und einzelnen ärmlichen Gehöften. Die Armut der Menschen ist bedrückend und die Bilder erinnern an Fotografien von Walker Evans, dem großen Fotokünstler, der die Auswirkungen der großen Depression in den USA der 1930er Jahre dokumentiert hat. Die Unterschiede bestehen lediglich aus Autos, die hier und da noch vorhanden sind. Selbst das Pferd der Familie muss mangels Stroh in Pflege gegeben werden. Evans wurde übrigens auch in Missouri geboren.

"Winter's Bone" | © www.berlinale.de

Bereits die Kinder erlernen den Umgang mit Waffen, schon um sich etwas zum Essen erjagen zu können und sind es auch nur ein paar Grauhörnchen. Geschwister und Mutter ernähren sich von Kartoffeln und Fleisch gibt es nur, wenn die hilfsbereiten Nachbarn etwas von ihrer Jagdbeute vorbeibringen. Kleinkriminalität gehört hier zum Überleben dazu und löst keine größeren moralischen Beklemmungen aus.

Der Vater unserer Heldin ist erneut mit seinem Drogenlabor aufgeflogen. Er hat eine Kaution gestellt und hat sich anschließen aus dem Staub gemacht. Nun steht der Sheriff vor dem ärmlichen Haus und erzählt unserer Heldin, der Vater hätte für die Kaution Land und Haus verpfändet. Würde dieser nicht binnen einer Woche zur Gerichtsverhandlung erscheinen, müsse die Familie das Haus verlassen.

Es bleibt Ree also nichts anderes übrig, als die Spur ihres Vaters aufzunehmen. In ihrer Umgebung, beim Onkel und anderen Verwandten, die auch in kriminelle Geschäfte verwickelt sind, stoßen ihre Nachforschungen auf großen Unmut und sie erhält handfeste Drohungen und wird eingeschüchter, mit der Aufforderung, die Nase aus der Sache zu halten.

Debra Granik hat sehr genau beobachtet und recherchiert, ein Teil der Schauspieler entstammt den Verhältnissen des Films, so auch Lauren Sweetser, welche Gail, die beste Freundin von Ree, spielt. Sehr präzise wird die Romanvorlage von Daniel Woodrell nachgezeichnet. Auch komische Elemente gibt es in diesem beklemmenden Film, wenn in einer Schlüsselszene ein Amputat in einer “Have A Nice Day” Tüte auf den Schreibtisch gelegt wird.

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Die Bibliothèque der Fantasie

Wie es der Zufall will, bin ich heute meinem Kinoerlebnis des Jahres begegnet. “Bibliothèque Pascal” von Szabolcs Hajdu. Die Berlinale geht zu Ende und an den letzten Tagen werden die Lücken im persönlichen Tagesprogramm gefüllt. Ich habe mir vorgenommen, in den letzten zwei Tagen nur noch Filme des Internationalen Forums des Jungen Films zu sehen.

Bibliothèque Pascal | © www.berlinale.de

Zur Bibliothèque Pascal kam ich also eher zufällig und als ich im Arsenal saß, hatte ich nicht mehr im Kopf, als dass es um eine rumänische Mutter geht, die in England als Prostituierte arbeitet. Die Themen sind tatsächlich Menschenhandel, Adoption, Prostitution und Armut. Aber wie der Film diese Themen aufgreift ist auf wunderbare Weise fantastisch. Eine Mutter wird zum Jugendamt bestellt, da entschieden werden muss, ob sie ihr Kind behalten darf oder es zur Adoption freigegeben wird.

Der Beamte der Fürsorgebehörde fragt die Mutter, was die letzten drei Jahre passiert ist. Die Mutter fängt an eine Geschichte zu erzählen, die ich hier gar nicht wiedergeben möchte, da es die Leserin und den Leser um eines der größten Vergnügen bringen würde, sich hiervon nicht überraschen zu lassen. Es sei nur soviel verraten: Die bildreiche Erzählung sprengt an Farbe, Musik, visuellen Ideen, Dekoration und Licht alles, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Zusammengefügt wurden diese Elemente zu einer Bildkomposition überragender Qualität, dies und die Erzählung selbst brauchen einen Vergleich mit einem Frederico Fellini nicht zu scheuen. Weder in der Opulenz der Bilder noch in der Subtilität der Geschichte und in der Visualisierung des menschliche Gefühlskosmos.

Das Publikum empfing den Regisseur und seine Frau, die auch die Hauptdarstellerin ist mit heftigem Beifall. Für dieses wundervolle Werk wünsche ich mir baldestmöglich einen deutschen Verleih.

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Darstellerin: Orsolya Török-Illyés, Ehemann und Regie: Szabolcs Hajdu

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Nicht jeder Beitrag überzeugt

Mit dem heutigen Eintrag stellt sich die Frage, wie die zurückliegenden Filme gegliedert werden können, denn eine chronologische Verarbeitung ist nicht mehr angezeigt. Quasi in der Mitte der Berichterstattung angelangt soll hier nun die Filme besprochen werden, die nicht überzeugt haben.

Da wäre zunächst Im Schatten von Thomas Arslan zu nennen. Konzipiert als Genrefilm blieb der Versuch doch in seiner Klischeehaftigkeit stecken. Fotografie und Schnitt sind sauber ausgeführt doch allenthalben uninspiriert und zeigen in diesem Genre nichts Neues. Die Dialoge sind auch für beiläufige Bekannte des Gangstergenres als geradezu formelhafte Versatzstücke gängiger Mainstreamproduktionen erkennbar. Ein Dialogdrehbuch wie von einem 14jährigen. Die Geschichte des Überfalls auf einen Geldtransporter birgt auch sonst wenig Überraschungen. Einen interessanten Charakter zeichnet immerhin Karoline Eichhorn in der Rolle der Anwältin und Komplizin. Sehr gut gefiel mir das Sounddesign und besonders die Musik von Geir Jenssen, auch unter dem Pseudonym “Biosphere” bekannt. Sie schafft mit minimalem Einsatz einen maximalen dramatischen Effekt. Was nun die Macher des Forums bewogen hat, diese mittelmäßige Fernsehproduktion in das Programm des Internationalen Forums des Jungen Films aufzunehmen wissen indes die Götter.

In Plein sud (Going South) von Sébastien Lifshitz, einer französischen Produktion, bleibt die Geschichte mehr als rätselhaft. Mit Presque Rien und Wild Side bereits bewiesen, dass er queere Geschichten auf die Leinwand zu bringen versteht. Plein sud handelt von einer Autofahrt in den Süden Frankreichs. Ein junger Mann, Sam, nimmt ein Geschwisterpaar per Autostopp mit. In Rückblenden erfahren wir, dass der junge Mann als Kind Zeuge wurde, wie sich sein Vater während eines Streits mit der Mutter im Auto erschießt. Nun schätzungsweise 15 Jahre später, ist der junge Mann sehr wortkarg. Das Geschwisterpaar besteht aus einem lebenslustigen Mädchen, das immer auf der Suche nach Abenteuern ist und ihrem schwulen Bruder, der sich mehr und mehr für den jungen Mann, den Fahrer verzehrt. Die Schwester sammelt unterwegs noch einen anderen jungen Burschen auf, den sie allmählich und sehr kalkuliert verführt.

Wir werden Zeuge ausgiebiger Sexszenen zunächst der Schwester und ihres Spielzeugs, dann ihres Bruders, dem es doch noch gelingt bei einer Lagerfeuerparty Sam zu erobern. Die Figur des Sam verströmt eine Aura des Drifters, dem alles mehr oder weniger egal ist. Er macht einen Zwischenhalt bei seinem Bruder und zeigt diesem die Waffe, mit den sich der Vater erschossen hat.

An einem Morgen am Strand verschwindet Sam mit dem Auto und besucht seine psychisch kranke Mutter. Aber er kann und will ihr nicht verzeihen (was?), reist wieder ab. Es scheint möglich, dass Sam sich mit der Pistole erschießt, er wirft am Ende die Waffe aber in den Fluss. Schwimmt im Meer und FIN. Nun ja, die Motive der Protagonisten großteils im Verborgenen und auch hier fällt mir wieder auf, wie wenig Mühe darauf verwendet wurde, den Zuschauer mit filmischen Mitteln mit auf eine Reise zu nehmen. Meine Dankbarkeit für den Verzicht auf lange Dialoge wird hier wie bei vielen anderen Filmen geschmälert durch das Unvermögen eine Bildsprache zu entwickeln, die einen adäquaten und besseren Ersatz bildet und die Geschichte erzählt und erschließt.

Mit ansehnlichem Marketingaufwand wurde das schwule Melodram Amphetamine aus Hongkong vom Regisseur Scud präsentiert. Im Anschluss an die Vorführung gab es eine Merchandise-Tasche plus Mousepad. Der Film selbst war eine eher unerträgliche PrettyWoman-Story, gleichgeschlechtlich. Junger, armer und Drogen konsumierender Schwimmlehrer lernt nach einer gescheiterten Hetero-Beziehung einen jungen Banker, Daniel, kennen. Der baggert ihn mit allerlei Aufwand an. Vom gelben Farrari, Bungeejumping von einer Brücke, Luxus-Penthouse mit Badewanne in der Wolken der Stadt reicht der dargebotenen Gockelschmuck.

Bei zwei Gelegenheiten erfahren wir auch, dass das Vermögen hart erarbeitet worden sei. Während im Hintergrund Lehman Brothers zusammenbrechen, bleibt Daniel der einzig erfolgreiche Broker und schon bald knallen in seiner Firma die Sektkorken, weil alles überstanden ist. Unsere beiden Jungs zeigen  bei allen Gelegenheiten ihre durchtrainierten, makellosen Körper. Sie sind sogar vollkommen nackt und in heißen Liebesszenen zu sehen. In Hongkong greift die chinesische Zensur noch nicht durch.

Selbst wenn ich hier Abzüge mache, weil die dortige Kinokultur wie die chinesische Kultur einfach anders ist und anzuerkennen ist, dass eine gleichgeschlechtliche Beziehung sehr offen gezeigt wird und innerhalb der Story das Umfeld der beiden kaum Probleme mit ihrem Schwulsein hat, war die Räuber und Prinz Variante über lange Strecken emotional verhalten, pathetisch und wirkte sehr konstruiert. Die Bildsprache war dekorativ und von Werbefilmästhetik geprägt, wobei durchaus schöne Bilder gefunden wurden. Ein zentrales Bild ist eine von  Michelangelo entlehnte Die-Erschaffung-Adams Unterwasser-Szene. Insgesamt war dieser Film mit über zwei Stunden einfach viel zu lang. Immerhin ein emanzipiertes Werk der Hongkong Filmindustrie. Kafka stürzt sich am Ende im Drogenwahn vom Penthouse.

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